Vortragende und Gastgeber freuten sich über die gelungene Veranstaltung.

Wienerberger Architektursymposium 2016

Über 240 interessierten TeilnehmerInnen beim Wienerberger Architektur-Symposium am 7. April 2016

Wie der Facettenreichtum eines Baustoffs einer Stadt nicht nur aussagekräftiges Gesicht, sondern auch prägenden Charakter verleiht, erläuterte ein hochkarätiges Panel an Vortragenden den über 240 interessierten TeilnehmerInnen.

Der Ziegel als Konstante

Unter dem Motto „Architektur im Wandel - Der Ziegel als Konstante“ begrüßte Gastgeber Christian Weinhapl, Geschäftsführer der Wienerberger Ziegelindustrie GmbH, und András Pálffy, Vorstand des Instituts für Architektur und Entwerfen an der TU Wien namhafte Architekten auf der Bühne. Die Wiener Secession, als Paradebeispiel österreichischer Baukultur bot dafür das passende Umfeld.

Architektur im Wandel

Adrian Meyer in seinem Vortrag Pathos und Stofflichkeit

Adrian Meyer, em. Professor der ETH Zürich und Partner des Büros Burkard Meyer Architekten in Baden (CH), erläuterte in seinem Vortrag „Pathos und Stofflichkeit“ von Ziegelmauerwerk: „...die kleinen Abmessungen der Ziegel und die Grammatik ihrer Fügung haben die Architektur seit jeher durch die Geschichte getragen“, so Adrian Meyer.

Adrian Meyer

Dietmar Eberle Vordenker im Bereich des integrativen Zusammenspiels von Architektur, Technik und Baumaterialien

Dietmar Eberle, Vorarlberger Architektur-Doyen und Vordenker in Bereich des integrativen Zusammenspiels von Architektur, Technik und Baumaterialien demonstrierte anschließend in seinem Vortrag „Haus 2226. Atmosphäre statt Wohnmaschine“ anhand eines praktischen Beispiels, wie zukunftsträchtiger mehrgeschossiger Hochbau mit Ziegel Realität wird: „Baumschlager Eberle geht es beim Bürohaus 2226 in Lustenau nicht darum, die Natur durch eine technische Umwelt zu ersetzen, sondern um sinnvolle Zusammenhänge für den Nutzer. Das Gebäude kommt ohne Heizung, Lüftung und Kühlung aus, in der Steuerung der Energieströme zeigt sich der menschliche Eingriff. Vor allem aber ist es ein Haus aus Stein - mit Wänden, Türen und hohen Räumen - das dank der elementaren Mittel der Architektur und dem optimalen Zusammenspiel von Technik und Baustoff für Wohlbefinden sorgt. Die Hülle verfügt über einen zweischaligen Wandaufbau aus jeweils 38 Zentimetern Ziegel, miteinander verzahnt sorgt die innere Schicht für hohe Druckfestigkeit, die äußere isoliert effizient.“

Dietmar Eberle

Nott Caviezel über die Jahrtausende alte Historie des Baustoffs Ziegel

Einem weiteren, untrennbar mit dem Ziegel verbundenen Aspekt widmete sich im Anschluss Nott Caviezel, Kunsthistoriker und Professor für Denkmalpflege und Bauen im Bestand an der Technischen Universität Wien: Unter dem Titel „Ziegelgeschichte – Ziegelgeschichten“ thematisierte Caviezel nicht nur die Jahrtausende alte Historie des Baustoffs, sondern auch den Beitrag des Ziegels zur Kultur- und Baugeschichte von Metropolen rund um den Globus im Wandel der Zeit. In seinen Ausführungen bediente sich Caviezel auch eines Zitats, das die Inhalte der Veranstaltung und seines Vortrags perfekt in Einklang brachte: "So viel ich an dem ältesten Mauerwerk bemerkt habe, das wage ich tatsächlich zu behaupten, dass man nichts finden kann, was zu jeglicher Art von Bauwerken besser verwendet werden kann, als den Ziegelstein, und zwar nicht den Luftziegel, sondern den gebrannten, sobald man ihn sorgsam brennt und schlägt“. [Leon Battista Alberti]

Nott Caviezel

Arno Lederer mit klarem Bekenntnis zum massiv umbautem Raum

Den Abschluss der Vorträge bildete schließlich Arno Lederer, über 10 Jahre Professor für Architektur an der Universität Stuttgart und Büropartner bei Lederer+Ragnarsdóttir+Oei. Mit seinen Ausführungen zum Thema „Ziegel. Ein Material. Ein Bauwerk.“ machte Lederer einmal mehr sein klares Bekenntnis zum massiv umbauten Raum deutlich. Lederer trat dafür ein, wieder mehr Verständnis für das Material, den Baustoff an sich, zu entwickeln. Man müsse wissen wie er aussieht, was er wiegt, wie er riecht - nur so könne man den Werkstoff begreifen und optimal einsetzen. Es müsse zudem ein stetes Zusammenspiel zwischen Theorie und Praxis geben, denn jeder Fortschritt, so Lederer, sei letztlich nur eine Veränderung des Ist-Zustands, der erlebt wird.

Arno Lederer

Verleihung des austrian brick and roof award 15/16

Im Rahmen der darauffolgenden Verleihung des „austrian brick and roof award 15/16“ wurde angesichts der unterschiedlichen nominierten Projekte einmal mehr die Vielfältigkeit des Ziegels deutlich. Bereits zum fünften Mal wurden die Auszeichnungen zur Würdigung attraktiver und vielseitiger Ziegelarchitektur in Österreich vergeben.
Die Preisträger des austrian brick and roof award 2015/16:
 
•    Bürohaus 2226, be baumschlager eberle Architekten, Lustenau
•    Gartenhaus Fam. Hertl, Hertl.Architekten ZT GmbH
•     Kulturhaus Kals am Großglockner, Schneider & Lengauer Architekten ZT GmbH
•     Wohnbau Gneixendorf, Bauteil III, Architekt Ernst Linsberger ZT GmbH
•     „Vereinshaus“ Strasshof an der Nordbahn, Errichtung (1909): Ernst Lubowsky, Sanierung (2014): Wohngemeinschaft des Vereinshauses (EM-Immobilien, Erna Mittermann); Federführung: Susanne Schubert (Hausvertrauensfrau)

Brick Award Verleihung

Heimo Scheuch zum prägenden Einfluss von Ziegel auf die Architektur

Heimo Scheuch, Vorstandsvorsitzender Wienerberger AG, brachte es in seinem Resümee des Abends schließlich auf den Punkt: „Ziegel prägen seit jeher große Architektur, Alltagsbauten, Dachlandschaften sowie Plätze und verleihen Städten ihre ganz besondere Identität. Heute sind sie zum hochmodernen Baumaterial geworden, das seine ureigenste Charakteristik nie verloren hat, nämlich Menschen ein gesundes und lebenswertes Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen. Diese Veranstaltung hat eindrucksvoll bewiesen, welch großartige Ergebnisse sich mit Ziegeln realisieren lassen.“

Heimo Scheuch

Weiterführende Links und Informationen

Bildergalerie zur Veranstaltung:
Fotocredits: Wienerberger Ziegelindustrie GmbH / cityfoto.at oder kurz Wienerberger/cityfoto
 
 

Kurzvideos zu den Preisträgern des „austrian brick and roof award 5/16“

Bürohaus 2226
 
 
 Gartenhaus
 
 
Kulturhaus Karls am Großglockner
 
 
 
Wohnbau Gneixendorf, Bauteil III
 
 
"Vereinshaus" Strasshof an der Nordbahn
 

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